Messerstähle – Eine Übersicht

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Messerstähle, die euch begegnen könnten. Vom Kohlenstoffstahl über die 440er Reihe bis zum CPM!

Inhaltsverzeichnis

In diesem Blogbeitrag stelle ich dir verschiedene Messerstähle vor. Passend dazu findest du direkt Beispiele für Messer, die aus diesem Stahl gefertigt wurden. Die Liste wird stetig erweitert.

Sandvik-Stähle

Sandvik ist eines der größten Industrieunternehmen Schwedens. Die Firma besteht bereits seit 1862 und produziert vor allem rostfreien Stahl. Aber auch verschiedenste Werkzeuge und Maschinen für den Untertagebau.

12C27

Einer der bekanntesten und am meisten verbreitetsten Stähle von Sandvik. Der 12C27 ist ein hervorragender Messer und Werkzeugstahl aus Schweden und erfreut sich großer Beliebtheit.

Mit einem Kohlenstoffgehalt von 0,6 % liegt der Stahl ungefähr gleich mit einem 440A. Mit einer Härte von 54 bis 61 HRC bietet der Stahl Messermachern ein extrem breites Spektrum, um sich genau die gewünschte Härte rauszusuchen. Ein hoher Chromgehalt macht es schwieriger eine saubere Schneide fein auszuschleifen. Mit einem Anteil von nur 13,5 % hat die Klinge einen guten Korrosionsschutz und du erreichst trotzdem eine hohe Schärfe.

14C28N

Dieser Stahl ist einer der neuesten Stähle der Firma Sandvik. Er wurde speziell für die Herstellung von Messerklingen im Outdoor-Bereich entwickelt. Bei richtiger Behandlung kann er eine Härte von bis zu 62 HRC erreichen.

Damit ist er äußerst schnitthaltig und erreicht auch eine hohe Gebrauchsschärfe. Dabei ist er trotzdem rostfrei. Der Kohlenstoffgehalt des Stahls liegt mit 0.62 Prozent im Mittelfeld, ähnlich wie beim 12C27.

Der Chromgehalt mit nur 14 % liegt sogar eher im unteren Bereich, verglichen mit anderen rostfreien Stählen. Die 440er Stähle haben zum Beispiel mindestens 16 % Chromanteil.

Kohlenstoffstähle (1050 – 1095)

Bei den Kohlenstoffstählen handelt es sich um kaum bis gar nicht legierte Stähle. Es sind also keine Zugaben außer Kohlenstoff im Stahl enthalten.

Dadurch wird die Klinge äußerst Schnitthaltig und erreicht eine hohe Härte. Messer aus dieser Art Stahl sind dadurch nicht rostfrei. Dafür fehlt das Chrom in der Legierung.

Aufgrund der fehlenden großen Karbide, die durch das Chrom entstehen würden, wird die Klinge sehr viel feiner. Du kannst beim Schleifen dadurch eine wesentlich höhere Gebrauchsschärfe erreichen.

440er Stahl

Die Stähle der 440er Reihe sind im Messerbau äußerst beliebt. Nicht zuletzt aufgrund ihres unschlagbaren Preis-Leistung-Verhältnisses. Allen voran der 440C Stahl (1.4125) ist einer der beliebtesten.

Er besitzt den höchsten Kohlenstoffanteil der drei Stähle. Er ist ein echter Allround-Stahl. Die Legierung enthält zusätzlich zum Kohlenstoff auch Chrom und ist damit Rostbeständig. Diese Stähle sind allerdings nicht vollständig nicht rostend. Sie schaffen den Spagat zwischen einer hohen Schnitthaltigkeit und Härte, erreichen eine gute Schärfe und sind gleichzeitig rostbeständig.

420er Stahl

Bei den 420er Stählen handelt es sich um einen beliebten Messerstahl, der sehr häufig bei preiswerteren Messern zum Einsatz kommt. In Deutschland läuft er unter der Bezeichnung 1.4021.

Der AISI 420 Stahl ist ein sehr weicher wenn nicht sogar der weichste Stahl, der in einer Messerklinge zu finden ist. Diese Eigenschaft hat Vor- und Nachteile, die vor allem für einen Messer-Anfänger wichtig sind. Mit nur ungefähr 50HRC ist dieser wirklich sehr weich.

Daher wird er sich beim Arbeiten und Bushcraften auch sehr schnell abnutzen. Gleichzeitig lässt er sich aber auch schnell und einfach wieder nachschärfen. So können auch Anfänger leicht erlernen wie man ein Messer am besten schärft. Zusätzlich ist der 420er Stahl auch Rostfrei. Wenn ihr ihn also keiner übertrieben sauren Umgebung aussetzt, wird dieser Stahl nicht rosten, auch ohne besondere Pflege.

1.4034

Dieser Allround-Stahl wird wohl häufig etwas unterschätzt. Der Stahl ist rostbeständig. Damit also perfekt für den Einsatz im nassen und kalten Wald geeignet. Der Stahl lässt sich gut schärfen und erreicht auch eine ordentliche Gebrauchsschärfe. Sein Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut.

1.4116

Dieser Stahl ist ein in der deutschen Messerkultur sehr weit verbreiteter Stahl. Er ist vor allem in der Messerproduktion sehr beliebt und wird dort schon seit vielen Jahren eingesetzt.

Durch seine hohe Rostbeständigkeit kommt er zwar auch bei Küchenmessern zum Einsatz, ist dadurch aber auch bei Jägern sehr beliebt. Die können ihr Messer aus 1.4116 nämlich einfach säubern ohne Angst vor Rost haben zu müssen.

Diese Rostbeständigkeit macht ihn auch beim Bushcraften gut einsetzbar. Er ist vor allem für Anfänger ein guter Stahl, weil hier nicht viel auf die Pflege geachtet werden muss. Er erreicht eine Härte von bis zu 58 HRC und ist damit auch noch gut nachzuschärfen.

Damaststahl – Damaszener Stahl

Die Unterscheidung zwischen Damaststahl und Damaszener oder Dreilagenstahl kann durchaus zu Verwirrung führen. Beim Damaststahl handelt es sich um einen Stahl, der durch wiederholtes falten und Schmiedeschweißen der einzelnen Lagen aufeinander, sehr gut härtbar und stark wird.

Diese Art eines Schweißverbundstahls ist äußerst teuer und wird vor allem bei hochpreisigen Küchenmessern verwendet. Um die Kosten für die Herstellung zu senken und trotzdem ein ähnliches Ergebnis, was das Aussehen betrifft, zu erreichen, gibt es eine Art Fake-Damaststahl.

Bei diesem Stahl wird industriell hergestellter Schweißverbundstahl verwendet, der lange nicht so hochwertig ist wie echter Damast. Dieser wird dann auf einen Schneidkern aus anderem Stahl aufgesetzt. Durch Ätzen wird die Struktur der Lagen hervorgebracht und das besondere Aussehen erzielt.

Manchmal möchte man auch einen Stahl herstellen, der mehrere Eigenschaften verbindet. Eine Schwertklinge muss gleichzeitig biegsam und Hart, bruchsicher aber auch rasiermesserscharf sein.

Um diese eigentlich gegensätzlichen Eigenschaften in einem Stahl kombinieren zu können, werden im Beispiel des Schwertes ein harter Stahl mit einem weichen Stahl umgeben und geschweißt. So entsteht ein Stahl aus Drei-Lagen, der das Beste aus den verwendeten Stählen holt.

Eine andere Möglichkeit Stahl zu verbinden, ist es auch verschiedene Stahlsorten zu einem riesigen Block aufeinander zu schweißen und anschließend zu falten. Dadurch entsteht ebenfalls das markante Muster durch die verschiedenen Stählen.

Um zu erkennen, welcher Stahl vorliegt, muss man sich nur die Schneide ansehen. Einzig und allein der echte Damaststahl setzt die Maserung bis in die Schneide fort. Beim Damaszener Stahl ist die Musterung nur aufgesetzt und die Schneide besteht nur aus einem einzigen Stahl.

VG-10 Stahl

Dieser japanische Stahl ist aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften für die verschiedensten Messer von Taschenmesser bis Küchenmesser geeignet.

Pulvermetallurgischer Stahl (CPM-Stahl)

Bei diesem Stahl wird ein ganz besonders Verfahren verwendet, um moderne Hochleistung-Stähle herzustellen. Zuerst wird der Stahl geschmolzen. Danach wird er allerdings nicht gegossen, sondern unter Verwendung einer künstlichen Stickstoffatmosphäre sehr fein zerstäubt.

Währenddessen können andere Minerale wesentlich effektiver in den Stahl eingebracht werden, als mit herkömmlichen Methoden. Dadurch entstehen Legierungen, die vorher nicht möglich gewesen wären. Stähle die mit dieser Methode hergestellt werden, sind relativ teuer. Der Preis rechtfertigt sich aber durch die herausragenden Eigenschaften des Stahls.

AUS-Stahl

Dieser japanische Stahl wird mit verschiedenen Legierungen sortiert nach den Bezeichnungen AUS-4, -6, -8, -10. Sie sind mit den Stählen der 440er Reihe vergleichbar und unterscheiden sich untereinander ebenfalls nach Kohlenstoffgehalt

AN.58

Bei AN.58 handelt es sich um einen rostresistenten Stahl. Er ähnelt in der Zusammensetzung der Legierung einem 420 Stahl. Zumindest was den Chrom und Kohlenstoff Gehalt angeht. Allerdings ist der An.58 mit einer Härte von 58 bis 60 HRC um einiges Härter als der 420er.

Böhler N690 – Alleskönnerstahl

Der Böhler N690 ist ein in der Messerindustrie sehr beliebter Stahl. Das kommt durch seine Eigenschaft sehr stabil zu sein und gleichzeitig eine feine Schneide auszubilden. Aufgrund der ausgeklügelten Legierung halten Messer mit einer Klinge aus diesem Stahl ihre Schärfe lange.

Sie müssen also nicht sofort nachgeschliffen werden, nur weil du dein Messer mal härter rangenommen hast. Sollte deine Klinge doch mal einen neuen Schliff brauchen, lässt sich der Böhler N690 leicht nachschärfen.

Der Stahl ist ein wahrer Alleskönner. Er verbindet die besten Eigenschaften miteinander. Er ist dadurch Rostbeständig, Schnitthaltigkeit und Nachschärfbarkeit. Das alles gibt es zu einem erschwinglichen Preis, denn es handelt sich ja nicht um einen Pulvermetallurgischen Stahl.

Die Firma Extrema Ratio aus Italien verwendet sehr gerne diesen hervorragenden Stahl für ihre Messer.

Was ist dein Liebling?

Welcher Stahl ist euer Favorit? Welche Eigenschaften sind euch am wichtigsten? Benötigt ihr eine hohe Härte und Schnitthaltigkeit oder sind euch eine gute Nachschärfbarkeit und Rostbeständigkeit wichtiger? Das war mein Beitrag zu den wichtigsten Legierungen, die bei Messern zum Einsatz kommen. Wenn ihr noch weitere Stähle habt, die eurer Meinung nach nicht auf dieser Liste fehlen dürften, dann schreibt mir gerne einen Kommentar.

Vielen Dank und euch allen noch einen schönen Tag.

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