Wildkunde – Gamswild Rupricapra rupricapra

Das Gamswild bewohnt unseren Alpenraum und die europäischen Hochgebirge. Hervorragende Kletterer und Herzen wie Hochleistungsathleten.

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Wildkunde – Gamswild Rupricapra rupricapra

Gamswild gehört zu den Ziegenartigen Hornträgern. Es ist vor allem in den europäischen Alpen zu finden. Ansonsten kann man es in anderen Hochgebirgen wie den Pyrenäen oder dem Kaukasus antreffen.

Die Gämsen sind körperlich perfekt an das Leben in den Höhenlagen angepasst. Im Vergleich zum Menschen ist die Zahl der roten Blutkörperchen um das Dreifache erhöht. Auch das besonders große Herz pumpt mit über 200 Schlägen pro Minute, um eine optimale Versorgung und Leistungsfähigkeit zu gewährleisten.

Die Schalen lassen sich besonders weit spreizen und haben harte Ränder. Die Ballen sind sehr weich und gummiartig. Diese Kombi ermöglicht erstaunlichen Halt in steilen und glatten Felslagen.

Daher bevorzugt Gamswild auch offene Rasen und Holzflächen, mit Felsen als Fluchtgebiet. Denn auf diesem Untergrund macht den Gämsen so schnell keiner etwas vor.

Die Hauptorientierung erfolgt über den ausgezeichneten Geruchssinn. Als Bewegungsseher fällt es schwer, Objekte in Ruhe zu erkennen.

Geiß und Bock tragen beide ganzjährig ihre Hörner, die sogenannten Krucken oder Krickel. Diese werden nicht abgeworfen und wachsen jährlich mit zählbaren Jahresringen.

Das Alter am lebenden Tier ist schwer zu erkennen. Nach den ersten drei Jahren, in denen die Krucke jedes Jahr große Sprünge macht, ist sie kein verlässliches Merkmal mehr. Nach dem 5. Jahr kommen nur noch Ringe im Millimeterabstand dazu.

Das verlässlichste Alterszeichen sind die Zügel. Das ist der braun-schwarze Streifen im Gesicht der Gämsen. Sie verlaufen vom Windfang (Nase) bis zu den Lauschern (Ohren). Bei älteren Stücke sind die Grenzen zwischen dunklem Zügel und dem weißen Gesicht verwaschen und nicht sauber getrennt.

Gamswild

Steckbrief des Gamswild

Wissenschaftlicher NameRupicapra rupicapra
FamilieHornträger (Bovidae)
Gewicht (unaufgebrochen)♂︎ 50 kg / ♀︎ 40 kg
Größe (Widerristhöhe)70 bis 85 cm
BrunftzeitNovember & Dezember
LautäußerungenBei Gefahr pfeifen, Kitze meckern
NahrungSelektierer (Sommer), Mischtyp (Winter)
Zahnformel0 0 3 3 / 3 1 3 3
Sommerhaar
Winterhaar
Gelblich bis Rötlich
Dunkelbraun bis Schwarz
SinneGehör und Geruch sehr gut, Gesicht gut
VerbreitungAlpenraum und Balkan
KrankheitenRäude, Gamsblindheit, Band- und Lungenwürmer
FressfeindeLuchs, Fuchs, Steinadler (Kitze), Wolf, Bär

Nahrung

Das Gamswild wechselt mit den Jahreszeiten zwischen Sommer und Wintereinstände. Da wo es möglich ist, leben die Gämsen im Sommer über der Baumgrenze und ernähren sich von Kräutern und Gräsern. Das Gamswild gehört zum Intermediärtyp.

Im Winter, wenn das Angebot abnimmt, steigen sie herab und bedienen sich im Wald. Hier kann es auch zu Problemen mit Touristen und Wintersportlern kommen. Durch diese Störfaktoren werden die Gämse weiter nach unten in den Wald getrieben. Hier kommt es dann zu stärkerer Konkurrenz mit Reh- und Rotwild.

Dadurch verstärken sich auch im Sommer die Verbissschäden. Durch harte Winter kommt es bei Gamswild regelmäßig zu einer beträchtlichen Dezimierung einer Population.

Fortpflanzung

Die Brunft der Gamsböcke findet im November bis in den frühen Dezember statt. Bei den Böcken schwillen in dieser Zeit die Brunftfeigen stark an. Das ist ein Paket aus Duftdrüsen, die hinter den Krucken beidseitig am Kopf sitzen.

Diese sondern ein stark riechendes Sekret ab, das dazu dient, die Einstände der Böcke zu markieren. Die Geißen werden normalerweise zum ersten Mal im 3. oder 4. Lebensjahr beschlagen. Nach einer Tragezeit von ungefähr 26 Wochen kommen im Mai und Juni die Jungen zur Welt.

Diese sind sofort in der Lage ihrer Mutter auch über längere Strecken zu folgen.

Sozialverhalten – Beziehungen

Geißen und ihr Jungwild bilden offene Gruppen. Junge Böcke schließen sich ebenfalls zu kleinen Gruppen zusammen, während ältere Böcke meistens alleine unterwegs sind.

Zu den gefährlichsten Fressfeinden gehören Wolf und Luchs. Der Steinadler ist in der Lage, Kitze zu erbeuten.

Krankheiten

Es gibt eine Reihe von Krankheiten, die beim Gamswild häufig auftreten. Dazu gehört zum Beispiel die Gamsblindheit. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Entzündung der Lidbindehäute sowie der Hornhaut des Auges. Es folgt das völlige Erblinden und ein Tod durch Absturz oder verhungern.

Ebenfalls verbreitet und ein hoch ansteckend ist die Gamsräude. Diese Erkrankung der Haut wird durch die Grabmilbe – Sarcoptes rupicaprae ausgelöst. Es kommt immer wieder zu Seuchenartigen Ausbrüchen mit hohen Todeszahlen.

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